
Das Ausmaß der Gewalt an Frauen ist alarmierend hoch
Es ist wichtig zu ergründen, was hinter den Frauenmorden steht, und zu reflektieren, welchen Beitrag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen wir als Männerorganisation leisten können.
Wir wollen die Dynamik von Gewalt verstehen und benennen und ein waches Bewusstsein dafür entwickeln, wo Gefahr in Verzug ist. Bei Männern, die zu Gewalttätigkeit neigen, gibt es einen dringenden Beratungs- und Entwicklungsbedarf. Häufig neigen Gewalttäter dazu, die Verantwortung für die Gewalttat(en) nicht zu übernehmen, sondern begründen die Gewalt mit dem Verhalten der Frauen ihnen gegenüber.
Wir fordern betroffene Männer auf, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen, und lehnen jegliche Form von Gewaltausübung gegen Frauen aus tiefer Überzeugung ab. Es gibt verschiedene Formen von Gewalt wie Stalking, ökonomischer Gewalt durch Aufrechterhaltung oder Schaffung gezielter Abhängigkeitsverhältnisse, sexualisierte oder psychische Gewalt. Im äußersten Fall kommt es dann auch zu körperlicher Gewalt bis hin zum Mord.
Laut Dokumentation durch die Autonomen Frauenhäuser Österreichs* gibt es im heurigen Jahr 2023 bereits 25 Morde an Frauen, die durch den (Ex-) Partner, einen Bekannten oder ein Familienmitglied verübt worden sind.
Zugrunde liegt in den meisten Fällen ein Beziehungsstreit oder eine anstehende oder bereits vollzogene Trennung aus einer Partnerschaft. Die betroffenen Männer geraten in eine emotionale Ausnahmesituation, werden mit „schwierigen“ Gefühlen wie Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut oder Trauer konfrontiert. Im traditionellen Männerbild gelten diese Gefühle als unmännlich und werden daher abgewehrt und unterdrückt.
Meist haben die Männer, die zu Gewalttätern oder gar Mördern werden, in ihrem Leben nicht gelernt, ihrer Befindlichkeit, ihren Gefühlen und Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. Es fehlt eine adäquate Sprache für das, was sich in ihrem Innenleben abspielt. Bisweilen mangelt es schon an der Wahrnehmung der genannten schwierigen Gefühle. Oft tun sich Männer schwer, sich in ihrem seelischen Schmerz anderen Menschen zu öffnen und sich mitzuteilen. Sie haben nicht gelernt, ihre Gefühle zu regulieren, und fühlen sich mit der Situation überfordert.
Deshalb ermutigen wir Männer, die sich in Krisen befinden, sich Hilfe zu suchen oder Hilfe anzunehmen. Denn großer innerer Druck bei Krisen oder Problemen in der Beziehung führt bei mangelnder Fähigkeit zur Regulierung der eigenen Gefühle zum Ausüben von Gewalt.
Es ist uns bewusst, dass die ins Licht der Öffentlichkeit tretenden Frauenmorde nur die Spitze des Eisbergs von männlicher Gewalt an Frauen ist. Das 1997 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz hat wesentlich dazu beigetragen, Frauen vor Gewalt zu schützen. Für all jene, gegen die ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen wird, ist seit 2021 eine sechsstündige Beratung zur Gewaltprävention beim Verein NEUSTART verpflichtend. Nicht selten stellt sich aber heraus, dass es mit diesen verpflichtenden 6 Stunden noch nicht getan ist.
In OÖ gibt es darüber hinaus auch noch die Möglichkeit einer Beratung für Gewalttäter(innen) bei der Männerberatung des Landes OÖ und bei BEZIEHUNGLEBEN, der Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diözese Linz. Zusätzlich gibt es rund um die Uhr die Möglichkeit einer telefonischen Beratung beim Männernotruf (0800/ 246 247) oder bei der TelefonSeelsorge (Notruf 142).
Als Männerorganisation mit christlichem Wertekompass geht es uns neben der Bewerbung und Unterstützung von fachlich kompetenter Hilfe für Opfer und Täter von Gewalt auch um das bewusste Aufarbeiten und Reflektieren von männlichen Rollenbildern und Prägungen. Es geht uns um Weiterentwicklung der Bilder von Männlichkeit und es geht uns um das Aufspüren und Überwinden unreifer Bilder von Männlichkeit.
„Als KMB begleiten und fördern wir einander im verantwortungsvollen Engagement in unseren Beziehungen, in Kirche, Gesellschaft und Politik. Wir sind kompetente Ansprechpartner im Bereich männlicher Identität und Spiritualität, in der Entwicklung der Geschlechterrollen und des Mannseins.“
So heißt es in der Präambel des neuen Leitbildes der Katholischen Männerbewegung OÖ. Getreu unserem neuen Leitbild ist es uns wichtig, dass wir einander begleiten und fördern wollen in der verantwortungsvollen Gestaltung unserer Beziehungen. Dazu zählt wesentlich auch der Austausch in Männergruppen, wo wir lernen, uns zu öffnen und uns anzuvertrauen, eine Sprache für unsere Befindlichkeit, für unsere Gefühle und Bedürfnisse zu pflegen und zu entwickeln.
Ganz grundsätzlich geht es uns in der Begegnung mit und in der Beziehung zu Frauen um einen gleichwertigen und gleichwürdigen Umgang miteinander. Wir setzen uns ein für die Gleichstellung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen.
Das Leitungsteam der Katholischen Männerbewegung OÖ
Linz, am 24. November 2023
Kontaktperson für Rückfragen:
DI Bernhard Steiner
Obmann der KMB OÖ
bernhard.steiner@dioezese-linz.at
0660 / 406 79 59