Caritas und Versöhnung

Es mag paradox klingen, aber die Caritas legt zuerst mal die Finger in die unversöhnten Wunden der Gesellschaft. Sie macht sie so erst einmal wahrnehmbar und bewusst. Sie orientiert sich am Leitspruch: „Man muss das Übel an der Wurzel packen“.
Sie ist damit „radikal“ (v. lat. radix = Wurzel) an einer Veränderung interessiert. Wirkliche, echte, wahre, dauerhafte, Versöhnung ist ohne diese Vorarbeit nicht möglich und erfolgreich.
In der Nachfolge Jesu weiß sich die Caritas der untrennbaren Einheit von Gottes- und Nächstenliebe verpflichtet. Damit ist klar, dass es keine Gemeinschaft mit Gott gibt, wenn man sich nicht für gerechte und solidarische Beziehungen zu seinen Mitmenschen einsetzt.
Jesu Identifikation mit den hungrigen, dürstenden, fremden und obdachlosen, den kranken, nackten und gefangenen Menschen, wird zum einzig relevanten Heilskriterium. In diesen Menschen ereignet sich Gottesbegegnung auf Augenhöhe (vgl. Mt 25).
Versöhnung findet in der solidarischen Zuwendung und in der Sorge um gerechte Verhältnisse in der Gesellschaft statt. Sie hat daher sowohl eine persönlich-individuelle als auch eine strukturell-gesellschaftliche Dimension.
Beide Aspekte gilt es für die Arbeit in der Caritas zu beachten.
In der Option Gottes für die Armen ist die Versöhnung untereinander und mit Gott bereits grundgelegt.
Dass es sich dabei um keinen gemütlichen Spaziergang handelt, sondern um eine existentielle Gratwanderung, macht der Lebensweg Jesu deutlich.
Die Kirche, hat sich verpflichtet seinen Weg durch die Geschichte fortzuführen. Ihr Auftrag ist es, in der Gegenwart, mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit ganzer Kraft und ganzem Denken, (vgl. Lk 10,27) nach bestem Wissen und Gewissen für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung einzutreten.