"Er nimmt hinweg die Sünden der Welt"
Liebe Pfarrgemeinde!
Immer wieder beten wir vor der Kommunion:
„Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser.“
Wer oder was ist „das Lamm Gottes?“
Und warum sagt Johannes im Blick auf Jesus: „Seht das Lamm Gottes, das „die Sünde der Welt hinwegnimmt“?
Junge Lämmer waren im alten Israel Opfertiere. Für das „Paschamal“ wurde ein Lamm geschlachtet und gemeinsam gegessen.
Das klingt mit, wenn Johannes auf Jesus zeigt und sagt:
„Seht das Lamm Gottes“.
Mit einem „unschuldigen“ Lamm wird Jesus verglichen.
Wie ein „Opferlamm“ gibt er sein Leben hin am Kreuz: seinen Leib, sein Blut. „Wir beten dich an und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“ – so beten wir beim Kreuzweg.
Wenn wir heute immer noch diesen Begriff verwenden und Jesus als „Lamm“ bezeichnen, dann ist das ein deutliches Bekenntnis:
Wir verehren keinen „Superstar“, der großspurig und übermächtig daherkommt. Wir sagen nicht: „Seht, da ist er, unser Held, unser Führer, der Größte!“ –
Er wird uns befreien.
Nein, wir verehren Jesus und sagen: „Seht, das Lamm Gottes“! Und meinen damit, dass wir Jesus und seine Art zu leben und zu sterben für die „erlösende“ und „befreiende“ halten. – „Er nimmt hinweg die Sünde der Welt“.
Was ist denn: die „Sünde der Welt“?
„Sünde“ - der Wortbedeutung nach – kommt von „sondern“, sich absondern, sich trennen, sich lossagen. Die Sünde der Welt besteht darin, dass der Mensch sich „absondert“ von Gott. Er fällt heraus aus der ursprünglichen Harmonie und Verbundenheit mit Gott – aus dem „Paradies“. Und so wird er „gott - los“.
Diese „Gott-losigkeit“, oder „Gott-vergessenheit“ – ist:
die Sünde der Welt“.
Der „Sünder“ „vergeht sich“, er gerät auf Abwege.
Er „verfehlt“ sein Ziel. Er geht „verloren“.
Er wird ein „Sonderling“ - könnte man sagen.
Der hl. Augustinus beschreibt die „Sünde“ sehr treffend als: „cor incurvatum in se ipsum“.
Das bedeutet – ein Herz, „in sich selbst verkrümmt“ – in sich verkrampft, nur auf sich selbst bezogen.
In den Augen Jesu ist diese „Sünde der Welt“ eine Folge der Angst, der Verzweiflung, der tiefen Verunsicherung des Menschen. Ein Mangel an Vertrauen.
Und dem entsprechend begegnete Jesus auch den „Sündern“. – Er begegnet ihnen als „Heiland“, wie ein „Arzt“, der die „wunden Punkte“ der menschlichen Seele heilen möchte.
Er sieht den Menschen mit einfühlenden, barmherzigen, verständnisvollen und liebevollen Augen.
Und so behandelte er die Menschen auch.
Das bezeugen seine Wunder.
Die Absicht Jesu war, den Menschen einzuladen zur „Umkehr“. Ihn wieder „heimzubringen“ in eine Atmosphäre des Vertrauens, der Liebe und des Angenommen-Seins, „heim zum „Vater“.
So wie es der „verlorene Sohn“ erfahren darf.
Jesus begegnet dem in sich „verkrampften“ Menschen auf eine Art, dass dieser sich „lösen“ kann,
sich „aufmachen“ kann, ohne Angst und Misstrauen.
Jesus „berührt“ die Menschen auf eine Art, die „aufrichtet“ und aus der Verlorenheit – sogar aus dem Tod – ins Leben zurückführt.
Dafür gab Jesus alles, sein ganzes Leben.
Dafür hat er sich „geopfert“. – Das Lamm Gottes.
So hat er uns „erlöst“.
„Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt!“ - heißt es vor der Kommunion.
Wir halten unsere Hand auf, wir nehmen und essen dieses Brot. - Wir nehmen es als „Nahrung“ – wir können auch sagen - als „Medizin“, die uns „heilen“ möchte, uns „befreien“ möchte aus unserer „Verkrümmung“ in uns selbst. Wir nehmen Ihn in uns auf, damit wir Menschen werden, nach seiner Art.
Wir sagen Jesus ist unser „Erlöser“.
„Er nimmt hinweg die Sünde der Welt.“
Wenn wir auf ihn schauen, uns von ihm „nähren“ lassen,
wenn wir seinen Geist in uns „aufnehmen“,
werden wir „befreite“, „weitherzige“ und „liebevolle“, „erlöste“ Menschen sein.
Amen