Kalvarienberg, Kreuzweg und Mahnmal "Mühlviertler Menschenjagd"

Unter dem vielseitigen Pfarrer Blasius Millechner wurde südöstlich des Marktes der Kreuzweg samt Kalvarienbergkirche errichtet. Von diversen Wohltätern unterstützt, konnte die am markanten Hügel liegende Kirche am 14. 9. 1745 feierlich gesegnet werden.
Die Kirche ist von ihrer Intention her eine Grablegungskirche. Markant ist daher die leere Grabnische unter dem einfachen Altaraufbau ausgebildet. Die runde Lichtöffnung in der Mitte der Altarwand weist bereits voraus auf die Auferstehung, die in der aufgehenden Sonne angedeutet ist.
Die Kreuzwegstationen wurden im Lauf der Zeit mehrmals saniert, so auch 1984. Damals wurden sie aufgrund von Straßenveränderungen auf verkürztem Weg und mit witterungsbeständigen Zementguss-Plastiken angelegt. Sepp Aumüller aus Walding hat diese gestaltet. Auf insgesamt neun Tafeln finden sich die klassischen 14 Stationen des letzten Weges Jesu, beginnend mit der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung des toten Leichnams. Hier finden sich schon Andeutungen auf Häftlinge aus dem naheliegenden KZ Mauthausen.
Beliebt ist der Kalvarienberg vor allem aufgrund seines außergewöhnlichen Blickes: auf der einen Seite Richtung der Wohnsiedlung am Wartberg inmitten der Hügel des Mühlviertels, und auf der anderen Seite hinunter in das Donautal und weit hinein in Alpenvorland und Alpen.
"Mahnmal "Mühlviertler Menschenjagd"
2015 hat die Gemeinde ein Mahnmal errichtet, das der Pregartner Künstler Prof. Herbert Friedl entworfen hat. Es erinnert an die Ereignisse im Februar 1945, die von den Nationalsozialisten zynisch als „Mühlviertler Hasenjagd“ bezeichnet wurden.
In der Nacht von 1. auf den 2. Februar 1945 versuchten nach heutigem Wissensstand 419 (nach damaliger Nationalität) russische Offiziere aus dem Todesblock des damaligen Konzentrationslagers Mauthausen zu entkommen. Nur 150 von ihnen konnten die ersten 800 Meter überwinden.
Bis auf 11 Überlebende wurden sie in den nächsten Tagen von SS (Schutzstaffel), Volkssturm, Landwacht, Gendarmerie, Hitlerjugend und Zivilpersonen zu Tode gejagt. Bis zu 25 der Soldaten starben auf dem Gemeindegebiet von Wartberg ob der Aist.
Das Mahnmal besteht aus drei je 2 Meter hohen Glasplatten, auf die das Motiv von Stoffbahnen auf drei Kreuzen gedruckt ist. Die gestreiften Stoffe verweisen auf die Kleidung von KZ-Häftlingen. Auf einer Tafel, die Teil des Mahnmals ist, ist folgender Text zu lesen:
„Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gegenüber steht, und das notwendigste Werk ist die Achtung vor dem Menschen.“ Meister Eckhart (1260–1328)
500 KZ-Häftlinge sind geflohen
11 haben überlebt.
Den Opfern der Menschenjagd vom Februar 1945 ... zum Gedächtnis.