Die Zeit Wartbergs als Florianer Pfarre (ca.1128 – 1635)

1. Abschnitt: Von der Pfarrgründung bis zur Weihe der wiederaufgebauten Pfarrkirche 1508
Am 12. Oktober 1128 wurde die Kirche von Wartberg von Bischof Reginmar von Passau der Gottesmutter geweiht. Seit dieser Zeit (1128) ist die Kirche von Wartberg Marienwallfahrtsort, viel älter als der Pöstlingberg. Was heute der Pöstlingberg ist, war früher Wartberg. Bis von Budweis und dem ganzen Böhmerwald kamen Wallfahrer nach Wartberg.
Außer dem Stift St. Florian hatte auch das Zisterzienserkloster Baumgartenberg bei uns Besitzungen. So gehörte ihm die Wenzelskirche und es hatte auch Untertanen im „Aistbergtal“. Am 14. November 1208 kam es zu einem Vergleich zwischen St. Florian und dem Kloster Baumgartenberg. Baumgartenberg überließ die im Pfarrgebiet von Wartberg („in ihrer Pfarre gelegen“, obige Urkunde vom 14.11.1208; Wartberg muss also zwischen 1122 und 1208 eigene Pfarre geworden sein) liegende Wenzelskirche dem Stift St. Florian. Vorher hatten die beiden Klöster jahrzehntelang um diese Kirche gestritten.
Am Beginn des 13. Jhdts. trafen sich in Wartberg zwei Handelswege. Es ist verständlich, dass die Händler in den damaligen unsicheren Zeiten in Wartberg aufeinander warteten, um dann gemeinsam die Wagenfahrt durch das waldreiche Gebiet nach Freistadt und weiter durch den Nordwald nach Böhmen fortzusetzen. So erklärt sich laut Pfarrchronik auch die Entstehung des Namens Wart-Berg.
Im 13. Jhdt war auch die Zeit des Faustrechtes, das Recht des Stärkeren. Auch deshalb pflegten Wanderer und Kaufleute auf dem Kirchenberg zusammenzuwarten, um gemeinsam leichter Widerstand gegen die Raubüberfälle der Ritter von Schloß (oder Burg) Haus zu leisten, denn Schloß Haus war einst als Raubnest gefürchtet. So sollen die „Hauser“, bevor sie zum Raub auszogen, ihren Pferden die Hufe verkehrt aufgenagelt haben, damit die Pferdespuren anzeigen sollten, dass die Raubritter schon in ihre Burg zurückgekehrt wären. So sollten die Reisenden getäuscht werden. Die Raubritterburg Haus stand aber vermutlich nicht dort, wo sich heute das Pflegeheim Schloß Haus befindet, sondern weiter südlich gegen die Aist zu, wo der Ortsname „Altenhaus“ diese Erinnerung festhält.
Der erste namentlich bekannte Pfarrer von Wartberg war Pfarrer Öckh, der 1349, wie wir in einem Stiftsbrief lesen, zwei Güter kaufte, die er von Untertanen bewirtschaften ließ. In einem Stiftsbrief von 1381 ist zu lesen, dass damals in Wartberg bereits ein „Gsellpriester“ oder Kooperator tätig war und dass durch eine Stiftung ein zweiter Kaplan angestellt werden konnte. Die Bewirtschafter dieser Güter wurden Untertanen des Pfarrhofes und so wurde der Pfarrer auch Grundherr, an den die für Untertanen vorgesehenen Abgaben zu entrichten waren. Der Pfarrer musste allerdings davon auch Abgaben an die Diözese leisten.
Das15. Jhdt. brachte große Sorgen: die Hussiten zerstörten 1422 Wartberg und Pregarten mit Feuer und Schwert. In einem päpstlichen Ablassbrief 1443 wurde all jenen ein Ablass gewährt, die durch eine Wallfahrt zu den zerstörten Kirchen und eine Spende zu deren Wiederaufbau beitrugen. 1508 konnte die wiederaufgebaute Kirche vom Passauer Weihbischof Bernhard neu geweiht werden.
2. Abschnitt: 1508 bis 1635
Im 16. Jhdt. kam durch den Besitzer von Schloss Haus, Georg von Landau, der Protestantismus nach Wartberg: Er ließ protestantische Prediger (Predikanten genannt) kommen. Sogar zwei Pfarrer, Christoph Tumpeckh und Urban Dräer, traten zur neuen Lehre über. Urban Dräer betrieb nebenbei in Pregarten eine einträgliche Wein- und Bierschenke. Nach seiner Absetzung 1591 aber fristete er mit seiner Frau und seinen 11 Kindern sein Leben kümmerlich als Weinhauer in der Wachau. Protestanten hielten sich in Wartberg bis in die Mitte des 17. Jhdts. und leisteten allen Bekehrungsversuchen hartnäckigen Widerstand. Protestantische Prediger lockten die Kirchgänger zur sogenannten steinernen Kanzel bei der Wenzelskirche.
Klöster und Kirchen hatten als ihre Vertreter in Rechtssachen Vögte. So hatte das Vogteirecht über die Kirchengüter Wartbergs damals der Herr von Reichenstein. Der damalige Vogtherr über Wartberg, Christoph Haim von Reichenstein, wurde im Jahr 1571 von einem aufständischen Bauern erschossen. Er liegt in der Kreuzkapelle unserer Pfarrkirche unter einem stark abgetretenen Stein begraben. Sein Sohn, Freiherr Hans von Haim auf Reichenstein, kämpfte mit allen Mitteln für den Katholizismus. So ließ er während der Streitigkeiten um das Erbvogteirecht gegen den protestantischen Herrn von Schloß Haus einmal die Opferstöcke in der Kirche von Wartberg öffnen.
Im Jahre 1586 ließ er gegen den Willen des Pfarrers mit 25 Bewaffneten in der Nacht die Kirche aufbrechen und für seinen verstorbenen Bruder Georg einen Gedenkstein im Renaissancestil in der Südmauer im Innern der Kirche einsetzen. In der Eile und bei Fackelschein wurde der Stein etwas schräg eingemauert, wie heute noch zu sehen ist.
Auch die Gegenreformation nahm grausame Züge an. Die Protestanten wurden zur Rückkehr in die alte Lehre bei sonstiger Landesverweisung gezwungen. So kam es zum oö. Bauernkrieg, der auch für Wartberg und Pregarten viel Elend brachte. Der Bauernführer Christoph Zeller zog mit 5000 Bauern von Mauthausen nach Freistadt. Dabei wurde Pregarten eingeäschert; auch Wartberg litt unter den Truppendurchmärschen und Einquartierungen.
1635 wurde die schon lange anhaltende Streitfrage um das Patronats- und Lehensrecht über Wartberg, das seit 1111 und 1122 urkundlich das Stift St. Florian innehatte, endlich gelöst. St. Florian verzichtete auf dieses Recht (Erbvogteirecht) zugunsten der Herrschaft von Reichenstein und wurde anderweitig dafür entschädigt. Seither ist Wartberg eine Weltpriesterpfarre; sie untersteht also nicht mehr dem Stift St. Florian, was aber nicht heißt, dass früher nur ein Mönch von St. Florian Pfarrer von Wartberg werden durfte.