Von den Anfängen um 800 bis zur Pfarrgründung um 1128

Die drei Kirchen von Wartberg (Pfarrkirche, Michaelskapelle – heute Aufbahrungshalle – und Wenzelskirche) reichen ihrer Entstehung nach an die tausend Jahre und mehr zurück.
Schon frühzeitig wurden Ländereien an Kirchen und Klöster oft mit der ausdrücklichen Bestimmung übergeben, dass das Land zu roden sei. So erhielt das Kloster St. Florian Besitzungen in unserer Gegend und unter dem Schutz Kaiser Karls d. Großen (König der Franken 768 – 814) nahmen die Mönche von St. Florian um 800 die Kolonisierung unserer noch unwirtlichen Gegend in die Hand. Es dürften Benediktiner gewesen sein, denn die Chorherren kamen erst 1071 nach St. Florian. Die früheren Mönche hatten kultiviert, während die Chorherren Seelsorge und Wissenschaft pflegten. Nach den Aufzeichnungen der Pfarrchronik stand schon im 9. Jahrhundert auf dem Wartberg eine Kirche inmitten einer kultivierten Gegend (erste Kirche 899 zerstört; 1095 wurde die zweite Kirche von Passau aus gegründet. Entweder sie war zu klein oder aus schlechtem Material, so wurde sie abgerissen und 1128 die dritte Kirche geweiht). Ringsherum war aber noch Wald.
Auch ist anzunehmen, dass der Ort, auf dem heute die Wenzelskirche steht, schon den ersten, noch heidnischen Siedlern als Kultstätte gedient hat. Nach der Christianisierung wurde dort eine Kapelle errichtet, sicher aus Holz. Die Wenzelskirche reicht in ihren Anfängen wahrscheinlich noch in die Zeit um 800 zurück. Die spätere gemauerte Kapelle wurde dann wahrscheinlich von den slawischen Siedlern im 10. Jhdt. dem hl. Wenzel, dem Herzog und Schutzpatrons Böhmens (+929) geweiht.
Um die Mitte des 11. Jhdts. gingen die Besitztümer des Stiftes St. Florian an die Bischöfe von Passau über.
Zu Beginn des 12. Jhdts. wurde der Kirchenbesitz an Mächtige zu Lehen gegeben. Wartberg kam dadurch an einen gewissen Adeligen namens Sigihart, der laut Chronik zu den Herren von Plejen gehörte: Sie waren an der Wende vom 11. zum 12. Jhdt angeblich das mächtigste Adelsgeschlecht in Österreich.
Als die Zeiten wieder besser wurden, verzichtete Sigihart wieder auf das Lehen und gab die Kirche von Wartberg (diese „Eigenkirche“ des Sigihart war die älteste Kirche Wartbergs und ist mit einiger Wahrscheinlichkeit die heutige Krypta unter der Aufbahrungshalle) samt allen Einkünften wieder an Passau zurück mit dem Ersuchen, dieses Lehen dem Kloster St. Florian zu übergeben.
Am 23. August 1111 bestätigt Bischof Ulrich von Passau in einer Urkunde dem Stift St. Florian dessen Besitzungen, darunter auch Wartberg. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung von Wartberg.
Nach der Chronik von St. Leonhard reichte der Kirchensprengel von Wartberg, der zu dieser Zeit noch ein Teil der Pfarre Ried war, bis in die dortige Gegend. Doch schon im Jahr 1122 wurde die Pfarre Gutau mit der Filiale St. Leonhard sowie (1125) die Pfarre Lasberg von der Pfarre Ried losgelöst. Auch Wartberg dürfte bereits um diese Zeit (vielleicht 1128 – zur Kirchweihe – eine eigene Pfarre geworden sein)