Faschingssonntag

In bewährter Weise hielt unsere Pfarrleiterin Angelika Paulitsch eine zur Zeit passende Faschingspredigt - diesmal als Gotteslob -, die bei den Besucher*innen großen Anklang fand. Hier können Sie ihre Gedanken nachlesen.
Guten Morgen! Ist das fein
Heut wieder mal draußen zu sein!
Als Gotteslob, muss ich euch sagen
Hat man‘s nicht leicht in diesen Tagen
So lang schon ist es nicht erlaubt,
dass ihr mich aus dem Wagen klaubt
und mitnehmt in die Kirchenbank
und braucht für euren Volksgesang.
Wie sehn‘ ich mich nach frischer Luft
Nach Orgelklang und Weihrauchduft!
Statt dessen: kaltes Einerlei
Tagtäglich in der Sakristei.
Dabei hatte ich es noch fein.
Ich brauchte nicht einsam zu sein.
Weil, wenn man es großzügig misst
Ein Bücherwagen ein Haushalt ist
Nur ziemlich eng ist‘s und mitunter
Geht es drin drüber und auch drunter.
Für mich ganz unten ist es schwer
Es gibt keine Bewegung mehr
Und das Ennsleitner Liederbuch
Gleich neben mir – ist wie ein Fluch
Weil dieser dünne grüne Wicht
Die halbe Zeit nur englisch spricht.
Doch merke: trotz der großen Zahl
Gab es keinen Coronafall
Dafür – nur dass ich es erwähne
Monatelang streng Quarantäne.
Drum bitt ich euch, holt mich hier raus
Denn lange halt ich’s nicht mehr aus
Na gut, ich gebe zu: wie immer
Trifft es manch andere viel schlimmer.
Zum Beispiel die Weihwasserschalen
leiden im Kasten schlimme Qualen
weil lang schon niemand sich benetzt
sie (sind) durch Desinfekt-Spender ersetzt
Und außerdem die Mini Glocken
Zu denen will sich niemand hocken
Sie leiden still und liegen stumm
Auf den Altarstufen herum
Die Nummernanzeige nimmts schwer
Sie fühlt sich unnütz und so leer
Und auch das Altarmikrofon
Vermisst schon sehr den guten Ton.
Die Bänke laden ein zum Sitzen
Doch niemand darf sie recht benützen
Unfähig dass sie sich sehr wehrt
Ist jede zweite abgesperrt.
Und nicht zuletzt die Orgelpfeifen
Können es gar nicht recht begreifen
Dass niemand mehr zu ihrem Klingen
Von Herzen laut und falsch will singen.
So bitte ich den Lieben Gott:
Ach hilf uns doch in unserer Not!
ich will auch brav und artig sein
und immer alle Leut‘ erfreun.
Und ich beklage mich nie wieder
Dass immer nur dieselben Lieder
Im Gottesdienst Verwendung finden,
die frohe Botschaft zu verkünden.
dass Leute, für die Gottesdienst
grundsätzlich etwas Fades ist
sich gerne unterhalten möchten
und aus meinen Bänder Zöpfchen flechten
Auch ist es eine harte Sache
Wenn manchmal ich zu Boden krache
Da kriege ich Buch-Rücken-Weh
Doch das vergeht – ist schon o.k.
Dass kleine Kinder in mich beissen
Dass Seiten durch Gebrauch verschleißen
Das nehm‘ ich gerne jetzt in Kauf
Nur schlagt mich bitte wieder auf.
Berührt und streichelt meine Seiten
Die euer Singen wolln begleiten.
Weil leises Flirten mit den Noten
Ist auch bei Covid nicht verboten.
Spürt nach der Melodie des Lebens
Der Hoffnung, die niemals vergebens.
Nehmt mich zur Hand, das Herz singt laut
Die Lieder die euch so vertraut
Bei euch daheim macht’s ebenso:
Singt laut in Küche, Gang und Klo
Und hör’ns auch nur im Bad die Fliesen
Lasst Euch das Dasein nicht vermiesen.
Und wenn es auch noch dauern mag
Ich freu mich schon auf jenen Tag
Wo viele Stimmen laut erklingen
Und fröhlich Halleluja singen!
Angelika Paulitsch, Febr 2021, Foto: Burghard Ebenhöh