Eucharistie
Quelle und Höhepunkt kirchlichen Handelns
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Eucharistie heißt Danksagung:
Die Eucharistie fordert uns auf, trotz der Probleme und der Erfahrung des Unheils im Alltag, an die alles überwindende Hingabe Jesu am Kreuz zu glauben und in allen Problemen des Lebens das Danken zu lernen, d.h. Eucharistie zu feiern, ja Eucharistie zu sein ... - Alltägliches:
Diese Danksagung geschieht nicht mit irgendwelchen Kostbarkeiten des Lebens, sie würden den Blick von der Armut und Armseligkeit dieser Erde abwenden; sondern einfach mit Brot und Wein dem Alltäglichen, Unbeachteten, weil Selbstverständlichen. Ein einfaches Stück Wirklichkeit (Brot) kann Träger des Lebensgeheimnisses sein, Ort der Offenbarung der Liebe Gottes. Das heißt, es gibt nichts Alltägliches, das nicht zum Träger der Liebe Gottes werden kann. Jede Begegnung, jedes Wort, jedes Gefühl, Gedanke, Geste, jedes Erlebnis – all das gehört in den „göttlichen Bereich“; „in allen Dingen“ im Alltag kann Gott gesucht und gefunden werden. Wenn ich in meinem Alltag nicht Gott erlebe, wird es mir schwer fallen Eucharistie zu feiern, weil ich nicht weiß, wofür ich danken soll.
- Ruhetag:
In sechs Tagen hat Gott das Werk der Schöpfung vollbracht, doch am siebten Tag hat er nicht geschaffen, sondern geruht und tief geatmet (Gen 2,3). Daher soll am 7 Tag Gottes Ruhe und Freiheit genossen werden vgl. Ex 20,11. Nur freie Menschen können ruhen und feiern (vgl. Krieg). Bin ich mir bewusst, dass ein Ruhetag ein Geschenk Jahwes ist; wir sind befreite! Der Trend unserer Zeit geht wieder in Richtung Versklavung. Wer den Sonntag bewusst feiert wird eine andere Zeitauffassung leben, als sie heute üblich ist. Für die heutige Gesellschaft wird der Sonntag (das Wochenende) immer mehr zum Ort der Kreativität. Für viele ist die Zeit der Berufsausübung (Fließband, Schule……) gerade nicht kreativ, sondern sie leben auf die „freie“ Zeit (Wochenende) hin, wo sie sinnvoll wirken können. Ganz anders ist das biblische Verständnis eines freien Tages, an dem Gott nach 6 kreativen Tagen seine Kreativität einstellt, ausruht und nur noch atmet. Diese göttliche „Ruhe“ empfängt, wer sich in der Eucharistie der göttlichen Gelassenheit übergibt und im Alltag sich in sie hinein nehmen lässt.
- Heilige Versammlung:
In der Bibel ist der Sonntag nicht ein Tag der Stille und Einsamkeit im Wald oder ein Wandertag in die schöne Natur, sondern ein Tag der Gemeinschaft der „heiligen Versammlung“ vgl. Lev 23,3. Die Urkirche war sich bewusst, dass Gott in der Geschichte des Volkes und jedes Einzelnen Heil schafft. Im Wortgottesdienst werden Gottes Heilstaten verkündet. Eucharistie ist die Aufforderung, Gottes Heilshandeln im Alltag zu suchen und zu sehen und dann Gott zu danken für seine vergangenen und gegenwärtigen Heilstaten.
- Freizeit:
Feiern kann ich nur, wenn ich nicht dauernd auf die Uhr sehe, wann endlich Dienstschluss ist. „Der Teufel weiß, dass er nur wenig Zeit hat“ vgl. Apk 12,12 was in einer etwas freien Auslegung heißen kann, dass wir teuflisch leben, wenn wir feststellen, dass wir keine Zeit haben.
- Fußwaschung:
Eucharistisches Leben war für Jesus die Entscheidung für den „letzten Platz“, eine einzige „Karriere nach unten“. Wer sein Schicksal teilt, ist hin und wieder bereit „Schuhabstreifer „ und „Blitzableiter“ vernichtender Kritik zu sein. Es gehört zur Reife eines Christen, der an der Eucharistie teil hat, dass er nicht „aus den Wolken gefallen“ ist, wenn er mal wie der „letzte Dreck“ (1Kor,10) behandelt wird oder sein Dienst mit Undank vergolten wird. Solche Christen sind lebendiges Evangelium.
- Zeichen der Freundschaft:
597 v. Chr. wurden die Juden in die Gefangenschaft geführt. Als König Nebukadnezzar stirbt wird König Jojachin nach 37 jähriger Gefangenschaft begnadigt. Der Nachfolger Nebukadnezzars befreite ihn aus dem Kerker, redete freundlich mit ihm…, er durfte seine Gefängniskleider ablegen, und ständig an der königlichen Tafel essen, sein ganzes Leben lang. (2Kön 25,27-30) An einem Tisch essen bedeutet Freundschaft, Gemeinschaft und Vertrauen.
- Wandlung:
Wer von dem Brot isst und von dem Wein trinkt, ist hineingenommen in die Gemeinschaft mit Christus, die den ichsüchtigen Menschen verwandelt und aufnimmt in die Kommunion der Liebe zu seinen Schwestern und Brüdern. Bin ich bereit mich verwandeln zu lassen? „Wer Gott begegnet ist, wird auf einem anderen Weg heimkehren, als er gekommen ist.“ (Charles de Foucauld)
Frag hundert Katholiken, was das wichtigste ist in der Kirche.
Sie werden antworten: Die Messe
Frag hundert Katholiken, was das wichtigste ist in der Messe.
Sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag hundert Katholiken, dass das wichtigste in der Kirche die Wandlung ist.
Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben, wie es ist! (Lothar Zenetti)
Sie werden antworten: Die Messe
Frag hundert Katholiken, was das wichtigste ist in der Messe.
Sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag hundert Katholiken, dass das wichtigste in der Kirche die Wandlung ist.
Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben, wie es ist! (Lothar Zenetti)
- Gewohnheit:
Ist das Sakrament der Eucharistie in den Alltag hineingenommen – täglich und alltäglich, dann entsteht schnell eine Gewöhnung, sodass das Sakrament seine unterscheidende Kraft verlieren kann. Im Tagebuch Hebbels findet sich hierzu ein inhaltsreicher Satz: „Jede Geliebte wird einmal Hausfrau, Jeder Purpur Rock, jede Krone Hut.“ D.h. Jedes Evangelium wird einmal Literatur, jedes Prophetenwort ein Kalenderspruch, jedes Kreuz ein Wandschmuck usw. Die Aufgabe des Einzelnen besteht den Prozess der Gewohnheitsbildung reversibel zu machen, also von der Hausfrau zur Geliebten und von der Dichterlesung zum Evangelium zurückfinden. Von selbst geschieht hier gar nichts, die Ehe verschlampt im Alltagstrott und der Bibeltext in der Feiertagsrezitation und die Eucharistie in einem langweiligen und einschläfernden Ritus.
- Preis:
„Uns kostet es eine Stunde Zeit, Jesus aber hat es das Leben gekostet.“ (Heinrich Kardinal Volk)