4. Sonntag der österlichen Bußzeit 30. 3. 2025
Das Denken und der Glauben von Christen und Menschen anderer Religionen war (und ist) geprägt von der Idee: Durch unsere Sünden und Verfehlungen stören wir die Beziehung zwischen uns und Gott. Und durch Buße, Rituale, Gebete müssen wir versuchen, Gott wieder zu versöhnen, um fortan „gut“ zu leben, gemäß den Geboten. Im 8. Kapitel des Römerbriefs reflektiert Paulus über diese Vorstellung und kommt zu dem Schluss: Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach. Wir Menschen schaffen es nicht, aus eigener Kraft vor Gott gerecht zu leben. Doch dann geht ihm schlagartig auf: Gott selbst hat die Trennung zwischen uns und ihm aufgehoben: in Jesus Christus, in seinem Erscheinen, seinem Tod und seiner Auferweckung. „Gott war es…“ Das stellt das traditionelle Denken auf den Kopf.
Evangelium: Lk 15,1-3.11-32
In jener Zeit
1 kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus,
um ihn zu hören.
2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.
3 Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
11 und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. (…)
Lk 15,11-32 gehört zu drei Gleichnissen mit dem Thema „verloren“, die wir im 15. Kapitel des Lukasevangeliums nacheinander lesen können. Der Evangelist Lukas hat das Doppelgleichnis vom Verlorenen Schaf und der Verlorenen Drachme (die vom „wieder gefundenen Verlorenen“ erzählen) mit dem Gleichnis von den beiden Söhnen und ihrem barmherzigen Vater zusammengefügt und in den Rahmen einer bestimmten (einleitenden) Situation gestellt: Pharisäer und Schriftgelehrte – also im besten Sinn fromme Menschen – empören sich darüber, dass Jesus mit schlechten Menschen, mit Zöllnern und Sündern, Umgang hat und sogar mit ihnen Mahlgemeinschaft hält. Besonders das dritte Gleichnis geht auf in diesen Zusammenhang genau ein, da die Schriftgelehrten und Pharisäer sich in der Figur des älteren Sohnes wiederfinden können. Diese Situationsangabe ist also der Schlüssel zum Verständnis der drei Gleichnisse. Jesus weiß sich besonders zu den aus Sicht der Frommen „Verlorenen“ gesandt.