1. Fastensonntag (der österlichen Bußzeit) 9. 3. 2025

„Herr ist Jesus“ –
und in deinem Herzen glaubst:
„Gott hat ihn von den Toten auferweckt“,
so wirst du gerettet werden. (…)
Wie wird der Mensch gerechtfertigt? Das bedeutet: Wann und wie steht der Mensch im rechten Verhältnis zu Gott? Daran knüpfte sich die praktische Frage: Wie muss ein Mensch leben, um sich nicht Gottes Zorn zuzuziehen bzw. nicht verloren zu gehen? Die Antwort eines gläubigen Juden zur Zeit des Paulus lautete: Der Mensch ist vor Gott dann gerecht, wenn er alle einzelnen Gebote beachtet und sie hält. Damit antwortet er in rechter Weise auf das Geschenk der Weisung (in diesem Sinne wurden die Gebote verstanden) und die Liebe Gottes zu ihm.
In Rom waren aber nicht mehr alle Juden. Die „Heiden“ begeisterten sich offenbar mehr für JESUS Christus. Wie konnten diese Menschen Gerechtigkeit vor Gott erlangen? Mussten auch sie die Gesetze einhalten und sich zuvor beschneiden lassen, um vollwertige Mitglieder in der nun christlichen Gemeinschaft zu werden?
Evangelium: Lk 4,1-13
In jener Zeit 1 kehrte Jesus,
erfüllt vom Heiligen Geist,
vom Jordan zurück.
Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt,
2 vierzig Tage lang,
und er wurde vom Teufel versucht.
In jenen Tagen aß er nichts;
als sie aber vorüber waren,
hungerte ihn.
3 Da sagte der Teufel zu ihm:
Wenn du Gottes Sohn bist,
so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. (…)
V.3: Für den Teufel ist es undenkbar, dass der Gottessohn Hunger und Entbehrung leidet. Damit verbindet sich auch der im Grunde beeindruckende Gedanke, dass der Gottessohn auf wunderbare Weise anderen Menschen Brot verschaffen und ihren Hunger beseitigen kann. V.6: Gemäß dem Verständnis des Teufels kann der Gottessohn auch Anspruch auf Weltherrschaft erheben. Und wäre das nicht etwas Wunderbares? Der Gottessohn könnte Gewaltherrschaft und Streit und Krieg unter den Völkern beseitigen und ein Weltreich des Friedens und des glücklichen Zusammenlebens der Völker errichten. V.9-10: Das dritte Wort des Teufels enthält sogar ein Zitat aus der Heiligen Schrift (Ps 91,11- 12), in der er sich offensichtlich gut auskennt. Im Sinne des Teufels darf dem Gottessohn nichts passieren, (….)
wenn er von oben, vom Tempel stürzt. Es ist doch klar, dass die Engel Gottes ihn nicht im Stich lassen, sondern ihn auf wunderbare Weise schützen werden. Hier klingt bereits mit: Es darf ihm kein Leidensgeschick widerfahren. Im Grunde sieht der Teufel im Gottessohn ein übermenschliches Wesen. Dabei hat er die Absicht, die Beziehung zwischen Jesus und Gott zu erschüttern. Der Teufel (diabolos) ist derjenige, der durcheinander bzw. auseinander wirft (dia-ballō) und entzweit.
Die Antworten Jesu an den Teufel sind die ersten Worte, die Jesus bei seinem Auftreten in der Öffentlichkeit spricht. Dass es sich dabei um Schriftzitate handelt, gibt uns zu denken. Die Zitate sind bezeichnend sowohl für Jesu Gottesverständnis als auch für sein Selbstverständnis. Er, der in der Himmelsstimme bei der Taufe das direkt und unmittelbar an ihn gerichtete Wort Gottes vernimmt, identifiziert sich jetzt mit dem „geschriebenen“ Wort, das besondere Bedeutung für seine Gottesbeziehung hat. Er lebt mit der Schrift, stellt sich hinter sie und findet in ihr auch Kraft, Versuchungen zu bewältigen.
Das erste Schriftwort ist die Feststellung: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Lk 4,4 = Dtn 8,3)“, sondern – so lautet die Fortsetzung, die Jesus nicht erwähnen muss, weil sie allen und auch dem Teufel klar ist – von allem, „was der Mund des Herrn spricht.“ Besonderer Nachdruck bei diesem ersten Wort Jesu liegt auf „der Mensch“. Der geliebte Sohn versteht sich zugleich als Mensch.
Das zweite Schriftwort gebietet: „Vor dem Herrn, deinem Gott sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen (Lk 4,8 = Dtn 6,13).“ Das Wort „niederwerfen“ / „huldigen“ / „anbeten“ (proskyneō) weist auf eine Grundhaltung hin, die das gesamte Leben und Wirken Jesu kennzeichnet. Gott steht für ihn im Zentrum.
Das dritte Schriftwort lautet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen (Lk 4,12 = Dtn 6,16).“ Jesus wird auch in der Leidenssituation von Gott nicht einen Beweis des Schutzes und der rettenden Hilfe fordern.
Die enge Verbindung von Taufe und Versuchung Jesu hat Konsequenzen für unser Christusverständnis. Den „geliebten“ Sohn charakterisiert eine doppelte Hörbereitschaft. Er hört auf den jetzt und direkt sich mitteilenden Gott (Himmelsstimme) und er lässt sich ein auf den in der Schrift redenden Gott. Es ist kein Zufall, dass auch die letzten Worte des irdischen Jesus am Kreuz Schriftworte sind (Lk 23,46 = Ps 31,6).