Nur leidige Tröster? - Bischof Andrej Ćilerdžić

Nach den orthodoxen Kirchenvätern sucht man mit dem Glauben immer tiefer den Sinn der Schöpfung. Alle Wesen sind aus dem Nichts erschaffen. Die Welt hat einen zeitlichen Anfang, das Geschaffene hat aus sich keinen Zugang zu Gott; der Unterschied zwischen Geschaffenem und Ungeschaffenem zu überbrücken. Nur die Gnade lässt den Geist Gott als liebenden Urgrund aller Kreatur erkennen. Bei einer Trennung vom Schöpfer tendiert das Geschaffene zum Nichts. Der Mensch kann beides erkennen: die Einheit mit dem Sein und das Getrenntsein von der Fülle des Seins. Der Mensch ist Mittler aller Dinge und seine Aufgabe ist es, alle Dinge zur Einheit zu bringen, vor allem mit dem Wort. Das Wort ist die erste Schöpfung Gottes. Die ganze Welt basiert auf Gottes Gedanken und Willen und soll als System der Werke Gottes begriffen werden. Die Heilsgeschichte Jesu Christi ist Grundlage der Heilsordnung.
Die gesamte Schöpfung ist so geschaffen, dass der Schöpfer unendliche Kräfte und Gesetze zu ihrer Entwicklung in sie eingetragen hat. Diese innere Ordnung stellt die Schöpfung unter Vorsehung Gottes. Die Schöpfung wird als ursprünglich leidlos gedacht; das Leiden existiert seit der Vertreibung aus dem Paradies über das Menschengeschlecht. Auch andere Geschöpfe leiden aufgrund der Übertretungen des Menschen. Das Ziel der Materie ist unvergleichbar vollkommener als ihr Urzustand, der nur den Beginn der Realisierung des göttlichen Plans darstellt. Das Heil der Welt ist also ein Ereignis der Zukunft und keine Rückkehr in Vergangenes. Sohn Gottes identifiziert sich mit dem Schicksal seiner Schöpfung. Durch das Getrenntsein vom Wort Gottes tendiert der Mensch in die Vergänglichkeit. Es ist die Berufung des Menschen, mit dem Wort Gottes in ständiger Verbindung zu sein und alles Seiende mit sich und mit Gott zu vereinen.