Stift Kremsmünster: Feierliche Abtbenediktion von Bernhard Eckerstorfer
Bis auf den letzten Platz war die frisch renovierte Stiftskirche gefüllt, als unter festlichem Orgelklang die Liturgie begann, der Bischof Manfred Scheuer vorstand. Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern waren zur Feier der Benediktion von Abt Bernhard Eckerstorfer gekommen, viele Menschen, die mit dem neuen Abt und dem Kloster verbunden sind.
Bischof Manfred Scheuer, Abtprimas Jeremias Schröder und Bernhard Eckerstorfer beim Einzug in die Stiftskirche / © SchauMedia
Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern
Eine festliche Schar zog in die Kirche ein, an der Spitze eine große Zahl von Ordensleuten, darunter Priorin Hanna Jurman aus Steinerkirchen und die Äbtissin Francesca der Abtei Venio (München), sowie viele Priester aus Oberösterreich und darüber hinaus ein, so eine Abordnung der Diözese Paltestrina bei Rom – Heimat des Klosterpatrons Agapitus. Weiters zogen der Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Erzabt Korbinian Birnbacher OSB, und deren Generalsekräterin Sr. Christine Rod MC mit ein, aus der benediktinischen Familie Abt Theodor Haumann (Augsburg), Vorsitzender der Salzburger Äbtekonferenz, der Vereinigung der höheren Oberen aller Benediktinerklöster des deutschen Sprachraums, die Abtpräsides Johannes Perkmann (Michaelbeuern), Cirill Hortobágyi (Pannonhalma, Ungarn) Vigeli Monn (Disentis, Schweiz), Franziskus Berzdorf (Beuron) und Jeronim Marin (Ćokovac, Slawische Kongregation), österreichische und bayerische Äbte, sowie aus Sant’Anselmo in Rom Abtprimas Jeremias Schröder, Oberhaupt aller Benediktiner weltweit. Von dort waren auch der ehemalige Prior P. Mauritius Wilde und der derzeitige Pro-Rektor des Athenäums P. Laurentius Eschlböck angereist. Andere Orden und Stifte waren durch nicht wenige Äbte und Pröpste der Zisterzienser, Prämonstratenser und Augustiner-Chorherren, gut vertreten, ebenso die Diözese Linz und nicht zuletzt die Mitbrüder von Kremsmünster selbst. Das bunte Bild vervollständigten der österreichische "Jugendbischof" Stephan Turnovszky aus Wien, der evangelische Superintendent Gerold Lehner, der amtierende oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer mit dem Kremsmünsterer Bürgermeister Gerhard Obernberger als Vertreter der Politik sowie zahlreiche Freunde, Verwandte und Gäste von Abt und Kloster. Sie alle feierten mit, viele verfolgten den Gottesdienst aber auch via Livestream auf dem YouTube-Kanal des Stiftes aus der Ferne – dieser bleibt online verfügbar und kann so auch in Zukunft angeschaut werden.
Ein festlicher Gottesdienst
Nach der Begrüßung durch Prior P. Maximilian Bergmayr und der liturgischen Eröffnung bildete das Taufgedächtnis einen ersten Höhepunkt der Feier, da es in ökumenischer Verbundenheit der einen Taufe als starkes Zeichen von Bischof Scheuer und dem evangelischen Superintendenten Lehner gemeinsam gehalten wurde. Zwei junge Mitbrüder baten danach den Bischof um die Benediktion des Abtes und bestätigten die Rechtmäßigkeit der Wahl.
Die folgenden Lesungen wurden wie auch die Fürbitten von Menschen gelesen, die dem Stift verbunden sind, wie überhaupt die verschiedenen Einrichtungen des Stifts, etwa das Gymnasium und die Pfarren, in die Gestaltung des Gottesdienstes eingebunden waren. Für die Musik zeichnete neben dem Chor der Stiftskirche unter der Leitung von P. Altman Pötsch auch eine Band junger Musiker:innen verantwortlich, an der Orgel waren Elke Eckerstorfer und die Stiftsorganistin Ingrid Achleitner zu hören. Das Repertoire reichte von Bach und Bruckner bis zu modernen geistlichen Liedern und machte die Vielfalt hörbar, für die das Stift steht: lebendige musikalische Tradition und neue Formen unter einem Dach.
„Wir verdanken der benediktinischen Tradition eine gute Ordnung“
In seiner Predigt ging Bischof Manfred Scheuer der Bedeutung des Wahlspruchs von Abt Bernhard Quaerere Deum, „Gott suchen“, mit Blick auf das Leben nach der Regel des hl. Benedikt in einer Tiefe nach, die der Abtprimas noch bei keiner Benediktion erlebt hatte, wie er in seinen Dankesworten hervorhob. Der benediktinischen Tradition verdankten die Christ:innen eine gute Ordnung des Lebens, so Bischof Scheuer, darunter die für eine „Alltagstauglichkeit von Glaube und Christentum“ wichtigen Haltungen der Beständigkeit (stabilitas) und einer heiteren Gelassenheit (hilaritas). Das „Hören“, mit dem Bendikt seine Regel beginne, sei zentral für die Synodalität heute, ebenso der Gehorsam als Bereitschaft zu ständiger Umkehr und Neubeginn, denn es bedürfte „der täglichen neuen Ausrichtung auf das eine Notwendige“.
Predigtgedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen
Darauf folgte der Ritus der Benediktion als Höhepunkt der Feier. Nach Litanei und Fürbitten gab der Bischof Abt Bernhard im Weihegebet den Auftrag, sich stets um die Sorge um das Heil der Brüder zu mühen und an Christus allein sein Herz zu hängen – ein Herz, das ein hörendes und weises sein möge. Darauf überreicht er dem neuen Abt die Regel des hl. Benedikt, den Ring, die Mitra und den Stab: „Trag diesen Ring als Zeichen deiner Treue und empfange den Stab als Zeichen deines Hirtenamtes!“ Was diese Insignien für ihn bedeuten, erklärt Abt Bernhard übrigens auf seinem Instagram-Account.
Bischof Manfred Scheuer und Abt Bernhard Eckerstorfer / © SchauMedia
Im Geist des hl. Benedikt in eine gute Zukunft
Als das von der Band gesungene Lied Taste and See zur Kommunion verklungen war, hielt Landeshauptmann Thomas Stelzer das erste Grußwort. Darin betonte er das gute Miteinander von Land und Stift und hob den Einsatz des Klosters in Seelsorge, Kultur und Bildung hervor. Heute lebten die Menschen zwar in Zeiten der Unsicherheit, doch sei das eine Chance, Neues zu gestalten und mit Mut, Weitblick und Nachhaltigkeit in die Zukunft zu gehen – deswegen brauche es Klöster wie Kremsmünster gerade jetzt. Außerdem nutzte der Landeshauptmann die Gelegenheit, Abt Ambros für sein langes Wirken zu danken, was spontan Applaus hervorrief. Superintendent Gerold Lehner ging in zwei Zitaten auf die Umbrüche in der Zeit des hl. Benedikt vor 1500 Jahren am Ende des Römischen Reiches ein. Was damals die Mönche suchten, das brauche es auch heute. Er sei dankbar, dass die Mönche im Stift mit der Gestalt ihres Lebens quer ständen zu vielen Trends von heute und damit Zeichen seien für eine tiefe, tragende Hoffnung. Er freue sich über die Gestalt, wie die Mönche den Glauben lebten, und lud dazu ein, von ihnen zu lernen und zitierte aus der Regel des hl. Benedikt: „Sich dem Treiben der Welt zu entziehen und der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen“ (RB 4, 20-21). Schließlich sprach Abtprimas Jeremias Schröder. Der Wahltag von Abt Bernhard sei für Sant’Anselmo kein Grund zur Freude gewesen, doch habe man die Trauerarbeit bewältigt und sei sich sicher, dass die enge Beziehung mit Kremsmünster weitergehe. Viele von uns hätten sich ihr Leben anders vorgestellt, aber das „Da sein, wo man gebraucht wird“ sei eine Haltung, die dem Evangelium entspreche. Bezugnehmend auf das „Locus iste“ von Brucker hob er hervor, dass den Benediktinern jeweils ein Ort anvertraut sei, den sie prägten. Dazu wünsche er, dass dieser Ort Kremsmünster lebendig bleibe und ein Ort der Hoffnung sei.
„Wer im klösterlichen Leben fortschreitet, dem wird das Herz weit“
Zuletzt bedankte sich Abt Bernhard bei allen Mitfeiernden, von der einjährigen Felicitas bis zum 99-jährigen Br. David Steindl-Rast. Danach wandte er sich an seine Mitbrüder und sprach von dem guten Miteinander in der Gemeinschaft, das er seit seiner Rückkehr wieder neu entdeckt und schätzen gelernt habe – es sei schön, hier zu sein, und er wünsche sich für die Zukunft, auch viele junge Menschen für das Ordensleben anzusprechen. Schön sei auch zu sehen, so der Abt, wie viele Menschen mit der Gemeinschaft von Kremsmünster beteten, sich mit ihr identifizierten. Das überrasche ihn immer wieder, so wie der Schwellbogen vor der Abtei, aufgestellt von einer Gruppe junger Leute. Ein Auftrag des Klosters heute sei es, in die Welt hineinzuwirken, als Zentrum des geistlichen Lebens und Ort umfassender Bildung in ökumenischer Verbundenheit und Mitverantwortung für die Ortskirche. Dabei die wichtigste Aufgabe: Gott suchen in einer Zeit der Gottvergessenheit, getragen von der Sehnsucht, in der Beziehung mit ihm zu leben. "Zur wahren Quelle wollen wir uns aufmachen", so der Abt, "immer wieder uns neu ausrichten, verbunden mit den Benediktinern weltweit, den Zisterziensern und anderen Orden". Unterwegs, wenn Gott auch der Verborgene sei, im Fragen und Wissen-Wollen, im Blick auf das Kreuz, Kirche auf der Höhe der Zeit, dafür stehe sein Wahlspruch: Gott suchen. Abt Bernhard schloss mit seinem Lieblingsvers aus der Regel des hl. Benedikt (Prolog 49), der vom Suchprozess des Glaubens spricht: „Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.“ Das wünsche er allen Mitfeiernden.
Am Ende stand ein starkes Zeichen: Fünf Menschen legten dem neugeweihten Abt die Hände auf, um ihn und sein Wirken zu segnen. Darauf folgten der allgemeine Schlusssegen des Bischofs, das „Großer Gott, wir loben dich“ und der Auszug, zu dem die berühmte Toccata in F-Dur von Widor erklang. Alle Mitfeiernden waren anschließend zur Agape in den Kaisersaal geladen.
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Vom Wappen und Wahlspruch – Gott-Suche als Programm
Im Klosterwappen verweisen Eber und Hund auf die Gründung des Stiftes Kremsmünster durch den Baiern-Herzog Tassilo im Jahr 777, der Stier auf die bis 1772 übliche Fleischspende an alle Menschen, die am Stiftertag das Kloster besuchten. Der trinkende Hirsch des Abtwappens greift das biblische Bild von Psalm 42 auf: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir“. In alten römischen Kirchen, etwa in der Lateran-Basilika, steht der Hirsch für das Leben aus den Quellen der Taufe und die Gottsuche. Dies entspricht nicht nur dem Primizspruch Abt Bernhards „Gott, du mein Gott, dich suche ich“ (Ps 63,2), sondern auch seinem Wahlspruch als Abt „Quaerere Deum“ – „Gott Suchen“. Genau das nennt der hl. Benedikt in seiner Regel als zentrales Kriterium für die Aufnahme in die klösterliche Gemeinschaft (RB 58,7). In zwei Worten ist zusammengefasst, worum es im Kloster, worum es Abt Bernhard in seinem Amt geht. Unterwegs zu sein auf Gott, stets suchend und hoffend, voll Freude und Zuversicht gemeinsam in die Zukunft – im Vertrauen darauf, dass er uns zuerst sucht und auf uns zugeht, wie der barmherzige Vater im Evangelium der Abtbenediktion.