Bischof Scheuer lehnt Stimmungsmache gegen Arbeitslose ab

Kirche müsse zu einem Klima beitragen, "in dem die Schuld nicht bei den arbeitslosen Menschen selbst gesucht wird", und allem entgegenwirken, was Arbeitslosigkeit an sozialem Ausschluss mit sich bringe, so Scheuer in der aktuellen Ausgabe des "Infos" der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung.
Die "primäre Verantwortung" sieht der Bischof bei der Politik, der er ehrliches Bemühen nicht absprechen möchte. Die Frage sei aber: "Wird genug getan? Werden die richtigen Schwerpunkte gesetzt?" Allerdings seien Lösungen dann politisch leichter durchsetzbar, wenn die öffentliche Meinung entsprechend sensibilisiert ist. Scheuer plädiert deshalb für einen stetigen Bewusstseinswandel. "Wir sind schnell dabei, Menschen einzukasteln in Kategorien wie leistungsfähig oder weniger leistungsfähig", die Menschenwürde sei aber universal.
Arbeitslosigkeit kappe Sicherheitsnetze und führe an die Ränder der Gesellschaft, sagte der Bischof. Identität sei "viel zu eng" an Erwerbsarbeit geknüpft und der Verlust dieser führe zu enormen Identitätskrisen. Aufgabe der Kirche sei es, das Thema aus der Tabuecke zu holen, "die Finger in die Wunde zu legen und schonungslos Fehlentwicklungen aufzuzeigen". In der Gesellschaft müsse der Umstand des "fundamentalen und oftmals fatalen biographischen Einschnittes" des Arbeitsplatzverlustes berücksichtigt werden.
Mit der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung, der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung und der Betriebsseelsorge habe die Kirche bereits "wichtige Stimmen". Eine "grundlegende Bedeutung" komme aber auch den Pfarren zu, die für das Thema sensibilisieren und Betroffene in das Pfarrleben hereinholen sollten. Die Grenzen liegen allerdings, so Scheuer, in der Gestaltung der konkreten Arbeitsmarktpolitik und der Bekämpfung der Ursachen.