Vom Suchen und vom Finden
„‘Suchet so werdet ihr finden‘, heißt es in der Bibel. Daraus wird heutzutage eine Frage. Die Suchenden hoffen darauf, dass sie Antworten auf ihre Fragen finden, doch ist diese Hoffnung angesichts der Auswahl- und Vermittlungsverfahren gerechtfertigt?“ Mit dieser Frage begann Univ.-Prof. Dr. Markus Beiler, Journalismusforscher und Kommunikationswissen-schafter an der Universität Wien, den Hauptvortrag des Abends am „Tag der Linzer Hochschulen“.
Da diese Frage in der heutigen Gesellschaft diskutiert werden müsse, bedankte sich Beiler sehr herzlich für die Möglichkeit, vor den ca. 130 Studierenden, ProfessorInnen und Gästen sprechen. Nach einer kurzen Einführung in die Funktionsweise und Entwicklung von Suchmaschinen ging Beiler auf den ersten großen Punkt des Vortrags, die Suchmaschinenpolitik und -regulierung ein. Er zeigte die Quasi-Monopolstellung von Google auf und kritisierte deren nicht vorhandene Regulierung. Die wesentlichen Probleme sieht Beiler bei der möglichen Diskriminierung von Inhaltsanbietern durch fehlende Zugangsansprüche, im Bereich des Jugendschutzes, in der Problematik des Urheberrechtes und des Datenschutzes.
Der zweite große Schwerpunkt behandelte die Suchmaschinenökonomie. Beiler machte darauf aufmerksam, dass Google derzeit die stärkste Marke weltweit ist, mit einem Umsatz von 60 Milliarden US-Dollar 2014. Das bedeutet zum einen, dass auch Google absolut werbeabhängig ist, zum anderen aber auch, dass die Firma auf dem Suchmaschinenmarkt kaum einholbar ist. Kurz wurde auch darauf hingewiesen, dass um Suchmaschinen ein ganzer Wirtschaftszeig, z. B. Suchmaschinen-Optimierer, entstanden ist.
Im dritten Teil des Vortrags, Suchmaschinen und Journalismus, stellte Beiler seine eigenen Forschungen im Bereich Journalismus vor. Neben Selbstreferenzialität sind Suchmaschinen die wichtigsten Internetquellen für JournalistInnen. Bei einer Testreihe erzielten jüngere JournalistInnen unterdurchschnittliche Rechercheerfolge, während erfahrene KollegInnen zielgerichteter und tiefergehend arbeiteten. Kritisch beleuchtete Beiler zum Abschluss die journalistische Funktion, die Suchmaschinen übernehmen, da sie technische Faktoren für das Ranking von Inhalten heranziehen. Außerdem funktionieren technische Ranking-Faktoren des Öfteren gegensätzlich zu menschlichen und journalistischen Auswahlkriterien.
Univ.-Prof. Dr. Markus Beiler. © KHG
Die lebendige Diskussion im Anschluss spiegelte die verschiedene berufliche Herkunft der Gäste wider: von ProfessorInnen aus Informatik und Kommunikationstechnologie und dem Rektor der Katholischen Privat-Universität über ProfessionalistInnen aus dem Zweig der Suchmaschinenwirtschaft bis hin zu zahlreichen Studierenden.
Gerahmt wurde der Abend vom jungen, aber österreichweit bekannten Pianisten Elias Gillesberger, der Stücke von Gershwin, Schumann und Wagner zum Besten gab.
Wie es Tradition ist, sprachen auch Superintendent Dr. Gerold Lehner und Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz einige Worte. Superintendent Lehner spannte den Bogen von der antiken Philosophie bis hin zum Maler Edvard Munch und zeigte auf, dass Lernen und das Aneignen von Informationen letztlich immer ein Akt des Vertrauens auf das menschliche Gegenüber darstellt. Schwarz ging auf das Suchen als Grundkonstante des Menschen ein. Er erwähnte dabei auch die Flüchtlinge, die auf der Suche nach Sicherheit aufgebrochen sind, und bedankte sich herzlich bei allen Universitätsangehörigen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind.
V. l.: Bischof Dr. Ludwig Schwarz, Univ.-Prof. Dr. Markus Beiler,Paul Grünbacher, Mag.a Theresa Stampler, Dr. Markus Schlagnitweit, Superintendent Dr. Gerold Lehner. © KHG
Theresa Stampler / Katholische Hochschulgemeinde







