Orgelspielen bedeutet für mich …

Orgelspielen bedeutet für mich ...
... glücklich zu sein und dieses Glück weiterzugeben. Sobald ich auf der Orgelbank sitze, vergesse ich Zeit und Raum. Stunde um Stunde verbringe ich an der Königin der Instrumente und entdecke immer wieder neue Facetten, die mich begeistern und faszinieren.
Einerseits sind es die unzähligen Möglichkeiten, die die Orgel bietet und andererseits die Tatsache, dass jedes Instrument anders ist. Sobald man an einer Orgel sitzt, auf der man noch nie gespielt hat, beginnt eine Entdeckungsreise, ein neues Abenteuer. Welche Register sind vorhanden, welche Klangfarben sind zu hören? Wie wirken sie und wie klingen diese, einzeln und im Zusammenspiel? Welche Art von Literatur erstrahlt im schönsten Glanz? Ist in der Klaviatur Krafttraining für die Muskulatur der Finger integriert oder erklingt die Pfeife bereits, wenn man die Tasten nur anschaut? Vergleichbar ist dies mit einem Kind, das dabei ist, etwas Neues zu entdecken. Große Augen und Vorfreude gibt es wohl nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Organistinnen und Organisten. Denn für sie alle gilt: Sie spielen für ihr Leben gern.
Der zweite essentielle Punkt ist für mich, dass ich den Menschen mit meinem Orgelspiel Freude bereiten, Trost spenden oder sie in ihrer Spiritualität begleiten und unterstützen möchte. Egal ob bei einer Sonntagsmesse, einer Beerdigung oder Hochzeit – Ziel ist für mich immer, mit der Musik die Herzen der Menschen zu erreichen.
Auch außerhalb der Kirche bin ich als Organist tätig – nämlich im Rahmen der Mittagskonzerte in der Festung Kufstein an der Heldenorgel. Bei der Kurzansprache vor dem Konzert ist mir besonders wichtig, den Besucherinnen und Besuchern zu vermitteln, dass dieses Instrument vor allem an die Helden des Friedens erinnern soll und ihr Klang, der bis zu zehn Kilometer weit zu hören ist, eindringlich erinnern soll, dass das friedliche Zusammenleben der Menschen ein unbeschreiblich großes Geschenk darstellt. Unvergessen bleibt mein erstes Mittagskonzert auf der Freiluftorgel im Jahr 2012. Höchst nervös mit dem Wissen, dass die ganze Stadt mithört, ein bisschen Vorfreude mischte sich auch in meine Gefühlswelt. Danach hatte ich ein sehr prägendes Erlebnis.
Ein älterer Herr aus Deutschland, sicher bereits jenseits der 80, hatte nicht nur Tränen in den Augen, er hatte offensichtlich während des Konzertes stark geweint. Nach dem Konzert hat er mir unter Tränen erzählt, dass er die Zeit im Konzentrationslager nur überlebt hat, weil er für die Offiziere Musik machte und sie so unterhalten hatte. Alle anderen, die mit ihm im Lager ankamen, haben nicht überlebt. Die Musik wurde so zu seinem Lebensretter.
Musik und insbesondere das Orgelspielen bereichern mein Leben ungemein. Ich bin sehr dankbar, dass ich am Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese Linz nicht nur eine sehr gute musikalische Ausbildung erhalte, sondern auch mit vielen Gleichgesinnten mein Glück teilen darf. Daher schließe ich mit einem Zitat des berühmten Arztes und Organisten, Albert Schweitzer: „Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“
Manfred Zott schließt im Sommersemester 2020 am Konservatorium für Kirchenmusik sein Studium der B-Kirchenmusik ab. Als Organist ist er in den Pfarren Söll und Scheffau regelmäßig, sowie in Kufstein und anderen Gemeinde des Tiroler Teils der Erzdiözese Salzburg als Vertretung sporadisch im Einsatz. Außerdem ist er einer von vier Organisten an der Heldenorgel in der Festung Kufstein. Zudem fungiert er als stellvertretender Chorleiter des Kirchenchors Söll sowie der Rhythmischen Chorgruppe Söll.
