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Mi. 16.03.22

mehr erinnern

Andreas Schmoller
blick aufs mehr
Andreas Schmoller
Leiter des Franz und Franziska Jägerstätter Instituts (FFJI) an der KU Linz

„Erinnerung wandelt sich,

obwohl ihr Inhalt die Vergangenheit ist,

an der man bekanntlich

ja nichts mehr ändern kann.“

mehr erinnern | Fastenkalender 2022 des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz

 

Wenn ich das Wort „Erinnerung“ höre, dann denke ich aufgrund meines beruflichen Werdegangs als erstes an die Erinnerung des Nationalsozialismus und des Holocaust. Zehn Jahre habe ich als Gedenkstättenpädagoge Jugendliche, Reisegruppen, sowie Überlebende und Angehörige von Opfern durch das ehemalige Konzentrationslager Ebensee geführt, in meiner Doktorarbeit habe ich mich mit dem Wandel des Gedächtnisses in Frankreich beschäftigt. Und auch in meiner Arbeit am Franz und Franziska Jägerstätter Institut frage ich, welche Transformationen die Erinnerung an Franz Jägerstätter in Gesellschaft, Kirche und Kunst durchlaufen hat. Erinnerung wandelt sich, obwohl ihr Inhalt die Vergangenheit ist, an der man bekanntlich ja nichts mehr ändern kann. Und dennoch: Unser Zugriff auf „die Geschichte“ ist vorgefiltert durch unsere Gegenwart mit ihrer jeweiligen Sehschärfe — und Sehschwäche — im Blick zurück. 


Durch meinen Background habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Appellen nach mehr Erinnerung. Der Diskurs über Gedächtnis und Erinnerungskultur hat mittlerweile alle möglichen Stadien durchlaufen. Erinnerungspflicht, Erinnerungsgesetze bzw. Holocaustleugnungsverbote, Opferkonkurrenz und Konkurrenzerinnerungen, Nivellierung der Erinnerung bis hin zum sperrigen Ansatz der multidirektionalen Erinnerungskultur als Lösungsansatz für die sich breitgemachte Malaise im Erinnerungshickhack.


Erinnern geht nicht ohne eine klare Kenntnis der Inhalte! Der Akt des Erinnerns lebt von Emotionen, Ritualen, einer Gemeinschafts- und Identitätsstiftung, aber die Erkenntnisse und Wissensbestände dahinter erschließen sich ganz anders, nämlich über Lernen von Inhalten, Erkennen von Zusammenhängen, Verstehen von Kontexten, Reflektieren des gesamten historischen Konstrukts, das wir uns von der Vergangenheit machen. 


Historisches Lernen ist zudem anstrengend: Die Geschichte des Völkermordes und der Konzentrationslager ist hochgradig komplex und schwer zumutbar. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Jugendliche und selbst Studierende des Fachs Geschichte subjektiv den Holocaust für sehr präsent in ihrem Geschichtsbild halten, aber sachlich über ihn immer weniger wissen. Der Völkermord an den europäischen Juden wirkt dann in erster Linie als Chiffre für „das Böse“ bzw. „das Verbrechen“ und entschwindet somit aus dem konkret Historischem.


Ist das Erinnern daher gescheitert oder gar überflüssig? Nein, ganz und gar nicht. Aber weniger ist auch hier manchmal mehr – das heißt: Bei erinnerungskulturellen Aktivitäten sollte auf die Qualität des Vorhabens geachtet werden und nicht allein der Aktionismus zählen. Und sich der Beweggründe des Erinnerns immer wieder zu vergewissern, zeichnet eine reflektierte Erinnerungskultur aus. Erinnerung ist je nach Kontext mehr ein religiöses, ethisches oder politisches Handeln! Damit ist sie prägend und produktiv für Religion und Kultur der Gegenwart, aber auch anfällig für Vereinnahmung und Instrumentalisierung.


Das Ethos der Erinnerungskultur besteht auch darin, die Erinnerung an die Opfer nicht auf eine Verzweckung zu reduzieren. Das heißt nur denjenigen Opfern zu gedenken, die für eine Idee, ein Ideal standen, und daher als religiöse und politische Märtyrer zu regelrechten Ikonen werden. Ihr allgemeiner Bekanntheitsgrad bringt es mit sich, dass sie nicht selten für neue Botschaften missbraucht werden, die im schlechtesten Fall diametral zum historischen Vorbild stehen. Die Berufung auf Vorbilder wie Sophie Scholl oder Franz Jägerstätter, wie derzeit im Umfeld der Coronapandemie beobachtet werden kann, mag dann inhaltlich mit der Geschichte wenig gemeinsam haben, aber der symbolische Nimbus des „Widerstands“ oder der „Gewissensfreiheit“, der an den historischen Vorbildern haftet, wird für gegenwärtige Anliegen instrumentalisiert. 


Doch möglicherweise liegt in diesen bedenklichen Entwicklungen der Gegenwart auch eine Chance, weil das Bedürfnis nach einer Erinnerungskultur wieder zunimmt, die nicht nur auf Identifikation setzt, sondern ein kritisches Auseinandersetzen mit Opfer-, aber auch Tätergeschichte(n) einschließt. 

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Weitere Informationen:

Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der KU Linz

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